Al-Qur`an

Thursday, June 26, 2014

Älteste Universität der Welt 

Die Blühende

  

von D. Steinvorth


Schön war Fatima, die Tochter des Propheten. So schön, dass man ihr den Beinamen "al-Zahra" gab, die "Blühende". In ihrem Namen errichteten die schiitischen Fatimiden im Jahre 972 al-Azhar, die erste Universität der Welt. Die kriegerische Sekte hatte drei Jahre zuvor Ägypten erobert und Kairo gegründet. Eine Moschee und Hochschule sollte ihre Macht festigen. 200 Jahre dauerte das fatimidische Kalifat, dann kam ein neuer Eroberer, der große Feldherr Saladin, und befahl die Rückkehr zum sunnitischen Glauben. Heute gilt die Azhar als wichtigste religiöse Autorität der Sunniten. Aus der islamischen Eliteuni ist eine unübersichtliche Massenuni geworden. Über eine Million Schüler lernen auf einer der rund 7.000 ägyptischen Azhar-Grund- und Oberschulen. 16 Islamische Zentren im Ausland, darunter eins in Österreich, bereiten auf das "azharitische Abitur" vor – Voraussetzung für ein Studium an der "Blühenden".
Von den Rechtsgelehrten der Azhar können einfache Bürger, arabische und westliche Politiker Fatwas, so genannte Rechtsgutachten, einholen. Vor allem die ägyptischen Staatsoberhäupter machten immer wieder Gebrauch von diesem Instrument religiöser Legitimierung. Präsident Sadat ließ sich seine Friedenspolitik mit Israel absegnen. Sein Nachfolger Mubarak suchte den Zuspruch der Scheichs für sein Geburtenkontrollprogramm. Dass sich unter den Absolventen der Azhar-Schulen Ayman al-Zawahiri, bin Ladens Stellvertreter, wiederfindet, rückte die Lehranstalt zeitweilig in den Verdacht, Nährboden für Radikale zu sein. Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen den Laienpredigern und dem gelehrten Klerus der Azhar aber von Misstrauen geprägt. Der typische Islamist kommt von einer staatlichen Hochschule, findet keine Arbeit und tröstet sich mit Koranpassagen, die seine Auflehnung gegen die bestehende Ordnung rechtfertigen. Die Azhar hingegen steht seit Präsident Nasser fest auf der Seite des politischen Establishments. 1961 wurde die Azhar unter Aufsicht des Religionsministeriums gestellt, der Großscheich wird seither nicht mehr von der Azhar selbst, sondern vom Präsidenten bestimmt. Daniel Steinvorth

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